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Tamina Barth ist bei der Verbraucherberatung Rheinland-Pfalz zuständig für den Bereich Telekommunikation. In der Beratungsarbeit trifft sie häufig auf Teenager oder Jugendliche mit Handy-Schulden oder auf ratlose Eltern mit dubiosen Posten auf der Mobilfunk-Rechnung ihrer Kinder.
Was sind die schlimmsten Kostenfallen für Teenager mit Handys?
Schon die "coolen" Klingeltöne und Logos, die viele junge Handynutzer als Statusfaktor für ihr Gerät brauchen, können schnell ins Geld gehen. Weil Jugendliche experimentierfreudiger sind als Erwachsene, sind sie aber auch ein leichtes Opfer für kostspielige Services wie Flirt-Chats oder die Tücken von so genannten Branding-Handys, mit denen man durch einfachen Druck einer vorbelegten Taste ungewollt ins Internet geraten kann.
Was sind die aktuellen Trends?
Im Internet gibt es zurzeit unzählige Angebote mit Gratis-SMS. Den Nutzern wird versprochen, durch einfache Registrierung bis zu 100 SMS kostenlos verschicken zu können. Wenn dann nach zwei Wochen die Rechnung über ein Zwei-Jahresabo von j?hrlich 84 Euro zus?tzlich kommt, ist die Überraschung meist groß. Das Kleingedruckte haben die Jugendlichen in der Regel nicht gelesen. Da Minderjährige aber einen solchen Vertrag gar nicht abschließen dürfen, haben die Eltern auch später noch die Möglichkeit, ihre Zustimmung zu verweigern und so den Vertrag aufzulösen.Grundsätzlich gilt: Bei angeblichen Gratisangeboten unbedingt aufpassen! Viele Handys werden neuerdings günstiger mit einem Branding verkauft, das heißt das Logo des Netzbetreibers prangt gut sichtbar auf Handy-Gehäuse und Display. Die Besonderheit dieser Geräte: Einzelne Tasten sind bereits mit eigenen Online-Angeboten des Mobilfunkanbieters belegt. Oft genügt hier ein einfacher, vielleicht sogar unfreiwilliger Tastendruck und der Internetzugang wird ohne weiteren Hinweis aktiviert.
Was steckt hinter Premium-SMS-Angeboten?
Über eine Premium-SMS, die in der Regel an eine fünfstellige Kurzwahlnummer geht, kann man beispielsweise Klingeltöne, Logos oder Infos bestellen oder an Flirt-Chats teilnehmen. Der Preis wird vom Anbieter festgelegt und über die Handyrechnung abgewickelt. Die Kosten können von 29 Cent bis 5 Euro pro SMS gehen. Wenn ein Abo eingeschlossen wird, entstehen sogar noch Folgekosten. Bei der Bestellung von Premium-SMS-Angeboten sollte man daher genau auf den Vertragsinhalt achten, besonders auf den Preis und etwaige Abos.Wer ungewollt ein Abo bestellt hat, sollte dies sofort stoppen und beim eigenen Mobilfunkprovider schriftlich Einwendungen gegen strittige Entgelte erheben. In jedem Fall sollte der Nutzer Beweise sichern, also die fragliche SMS sichern - möglichst mit Datum und Uhrzeit.
Was kann ich gegen ungewollte SMS und SMS-Werbung tun?
Wer bei laufenden Verträgen dem Unternehmer seine Nummer nennt, darf von ihm SMS-Werbung erhalten, solange er nicht widerspricht. Unerbetene SMS-Werbung unbekannter Firmen ist dagegen grundsätzlich wettbewerbswidrig. In diesem Fall kann der Nutzer vom Absender verlangen, dass er weitere Werbung unterlässt und ihn sogar vor Gericht verklagen. Dies scheitert jedoch häufig daran, dass es schwierig ist, den Versender zu ermitteln.Leider gibt es auch im Vorfeld keinen hundertprozentigen Schutz vor SMS-Werbung. Die Versender nutzen verschiedene Methoden, um an Handynummern zu gelangen. Sie sammeln die Nummern systematisch aus dem Internet, aus Telefonverzeichnissen und privaten Zeitungsanzeigen, oder sie senden nach dem Zufallsprinzip automatisiert SMS an alle Nummern von 0177-1111111 bis 0177-9999999. Auch wer so genannte Free-SMS-Dienste im Internet nutzt oder per Premium-SMS Klingeltöne oder Logos bezieht, muss in vielen Fällen mit anschließender Werbung rechnen. Man sollte daher mit der Weitergabe der eigenen Nummer sehr zurückhaltend sein.
Was ist bei einem Vertragsabschluss zu beachten?
Gespräche innerhalb eines Netzes sind billiger. Wer sich zum Kauf eines Handys mit Vertrag entschließt, sollte daher das Netz wählen, in dem auch die meisten Bekannten sind. Außerdem sollte man beim Vertragsabschluss auf eine kurze Taktung achten. Am kostengünstigsten ist dabei die Abrechnung der Telefonate pro Sekunde (1/1) gefolgt vom 10-Sekunden-Takt (10/10). Die Takte gibt es in der Regel gegen einen geringen Aufpreis. Auch die richtige Tarifwahl spart natürlich Geld. Deshalb sollte man zuerst das eigene Telefonverhalten überprüfen: Telefoniere ich häufig tagsüber oder eher abends und am Wochenende? Oder nutze ich das Handy primär für SMS? Besonders kritisch sollte man Billig-Handytarife prüfen. Ein vermeintliches Schnäppchen entpuppt sich oft als teures Vergnügen durch eine ungünstige Taktung oder teure Tarife zu den Hauptzeiten und in die Fremdnetze.
Was empfehlen Sie für Teens und Jugendliche?
Die Eltern sollten bei der Anschaffung eines Handys für ihr Kind nicht nur das Modell überlegen, sondern auch die Art des Vertrags genau planen. Ich würde für Teenager stets die Prepaid-Variante, also eine Karte mit fixem Guthaben, empfehlen. Damit haben nicht nur die Eltern, die bei Minderjährigen ja voll haften, sondern auch die Teenager selbst die volle Kostenkontrolle. Eine Alternative könnte noch die von einigen Anbietern neu eingeführte Teencard mit speziellen Tarifen ohne Grundgebühr sein. Dabei steht dem Nutzer monatlich nur ein gewisser Betrag zur Verfügung. Allerdings ist die Teencard an einen Laufzeitvertrag seitens der Eltern gebunden und darüber hinaus haben die Teens die Möglichkeit, das vertelefonierte Guthaben eigenständig wieder aufzuladen. So lernen sie nicht, dass das Guthaben tatsächlich begrenzt ist.
Was hilft noch? Anders telefonieren?
Anrufe vom Handy und zum Handy sind immer teurer als Telefonate im Festnetz. Daher: Übers Handy lieber nur kurz telefonieren oder SMS verschicken. Beim Telefonieren außerdem auf günstige Tarifzeiten achten, meist ist es nach 18 Uhr und am Wochenende billiger. Unbekannte Rufnummern sollte man generell nicht zurück rufen! Unseriöse Anbieter tarnen ihre teuren Rufnummern, um abzukassieren. Vor allem bei den 0900-Nummern oder Auslandsrufnummern lauern Abzocker. Auch SMS von fremden Absendern sollte man aus diesem Grund sehr kritisch beäugen. Hilfreich ist auch die Tastensperre. Sie verhindert ungewolltes Einwählen und damit ungewollte Kosten.