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Teens: Umgang mit dem Handy

Die elfjährige Stella geht nirgendwohin ohne ihr Handy. Das Gerät ist alt, aber der Anhänger mit dem Bild von Tom, dem Gitarristen von Tokio Hotel, blinkt bei jedem Anruf und jeder Kurznachricht (SMS). "Ein riesiger, uralter Knochen", klagt Stella über das ehemalige Mobiltelefon des Vaters. "Und Fotos kann man damit auch nicht machen." In ihrem Freundeskreis hat mittlerweile jeder ein Handy. Am liebsten natürlich ein neues Gerät mit den aktuellsten Features -Foto, MP3-Spieler und natürlich der Texterkennungsstandard T9 für das schnelle Verfassen von SMS.
Auch wenn die Gerüte mittlerweile in den meisten Schulen verboten sind, haben viele Teens ihre Telefone selbst morgens dabei und lassen sie manchmal sogar im Unterricht an. Und wenn es klingelt, dann muss der Ton stimmen: Nichts ist schlimmer als eine Melodie oder ein Sound, der out ist. Und die Zeiten ändern sich schnell: Was heute cool ist, kann morgen schon peinlich sein. Wer dazugehören will, muss am Ball bleiben und öfter mal was Neues auf dem Handy haben.

Das Mobiltelefon immer griffbereit zu haben, gehört heute zum Lifestyle vor allem der älteren Teenager. So wie bei David, 15 Jahre: Regelmäßig kontrolliert er das Display seines Gerätes. Denn nur per SMS erfährt er, was seine Clique unternehmen will, wo sie hingehen und zu welcher Uhrzeit sie sich treffen. Eine Nachricht zieht die andere nach sich. Ohne Probleme können so am Tag bis zu 30 Nachrichten zustande kommen. Seit Monaten hat er wegen der hohen Kosten mit seinen Eltern Streit. Denn von seinem Taschengeld kann er all die Nachrichten und dazu die neuen Klingeltöne und Logos nicht bezahlen, da müssen immer wieder die Eltern einspringen.

Nicht immer erkennen die Nutzer, dass sich der Kauf eines Klingeltons mit bis zu drei SMS schnell auf 2,50 Euro summiert oder ein unerwünschtes Abo nach sich ziehen kann, weiß Tamina Barth von der Verbraucherberatung Rheinland-Pfalz. Ihr Tipp: Die Eltern sollen ihre Kinder durchaus merken lassen, was die Nutzung des Handys kostet. Die beste Kostenkontrolle bieten dabei immer noch Prepaid-Telefone, die mit Karten zu einem bestimmten Guthaben laufen, das die Teenager von ihrem Taschengeld bezahlen. Bei festen Verträgen hingegen offenbart erst die Rechnung am Monatsende, was alles mit dem Gerät gemacht wurde.

Vier von fünf Deutschen haben mittlerweile ein Handy, berichtet die Verbraucherberaterin. Das erste Gerät gibt es nicht selten schon mit neun Jahren. Mit dem Ende der Grundschule  haben 90 bis 95 Prozent der Kinder ein eigenes Mobiltelefon. Jeder zehnte Jugendliche hat dabei heute Handy-Schulden. Im Alter von 13 bis 24 Jahren belaufen die sich auf durchschnittlich 1.550 Euro, im Alter vor 13 bis 17 Jahren liegen sie bei 370 Euro.

Denn nicht nur Standard-Anwendungen können nach der Erfahrung der Verbraucherzentrale für die experimentierfreudigen Teenager zur Kostenfalle werden. Vor allem die Premium-SMS-Anbieter rechnen mit der Neugier und Hilfsbereitschaft der jungen Handy-Gemeinde. "Hallo! Ich hab Dich neulich auf dem Schulhof gesehen und würde Dich gerne kennenlernen. Schreib mir doch mal unter 8xxxx" oder "Ich sitze in Hamburg fest und brauche Deine Hilfe. Ruf mich bitte an +499008xxxx", lauten die verführerischen Botschaften. Der Rückruf an die gut getarnte 0900er-Nummer oder gar an eine Auslandsrufnummer kann dabei schnell ins Geld gehen.

Teuer werden auch so genannte Mehrwertdienste wie die Beteiligung an einem Chat, wo auch der Empfang einer SMS Geld kostet. Außerdem sollte man wissen, dass am anderen Ende nicht selten ein professioneller Chatter am Computer sitzt und nicht etwa ein Gleichaltriger am Handy. "Ein junger Mann aus meiner Beratung hat sich nach dem Kontakt über einen Chat mehrfach mit einem Mädchen verabredet, das dann aber nie zum vereinbarten Treffpunkt erschien", erzählt Barth. Womöglich hat es die junge Frau nie gegeben.

Für viele Eltern ist das Handy gleichwohl eine gute Möglichkeit, ihre Kinder auch kurzfristig zu erreichen, wenn sich Pläne geändert haben. Die Kinder ihrerseits können am Ende einer Verabredung oder Veranstaltung unkompliziert Bescheid sagen, wenn sie abgeholt werden wollen. Allerdings sollten sich die Eltern nicht der Hoffnung hingeben, ihre Kinder mit dem Handy kontrollieren zu können, warnt Barth. Sie sollten sich beispielsweise im Klaren sein, dass es nicht nur ein Briefgeheimnis, sondern auch ein SMS-Geheimnis gibt. "Am sinnvollsten ist es, wenn Eltern über Befürchtungen offen sprechen und gemeinsam mit den Kindern den Umgang mit dem Handy lernen: Denn nicht selten entstehen Telefonschulden einfach durch Unwissenheit."

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