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Heike Habel ist Diplom-Psychologin und leitet eine Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle beim Deutschen Kinderschutzbund, Kreisverband Kaiserslautern-Kusel e.V.
Ein Handy ist der größte Weihnachtswunsch vieler Kinder und Jugendlicher. Alljährlich also das neueste Modell unterm Tannenbaum?
Für viele Kinder und Jugendliche gilt ein Handy als Statussymbol. Sie wollen ihr Image aufbessern, indem sie auch mit dem neuesten Gerät mithalten. Das Handy zu verbieten, weil es nicht zur eigenen Lebensphilosophie passt, ist nicht die beste Lösung. Eltern sollten sich mit ihren Kindern über Handywünsche, aber auch andere Geschenke, austauschen. Kinder und Jugendliche geraten manchmal in eine Außenseiterrolle, wenn sie bestimmte Artikel, die in der Klasse oder Clique angesagt sind, nicht besitzen. Deshalb sollten Eltern nachfragen, warum gerade dieses oder jenes Handy gewünscht wird und ob die Tochter oder der Sohn solche Statussymbole als Anerkennung braucht.
Ich rate davon ab, Kinder und Jugendliche zu früh mit einem eigenen Handy auszustatten, weil sie mit der Handhabung überfordert sind. Ab etwa zehn Jahren kann ein Handy ein sinnvoller Begleiter sein, gerade wenn Kinder und Jugendliche längere Wege zur Schule zurücklegen müssen. Ob unter dem Tannenbaum ein Handy liegt und welches, hängt letztendlich von der Lebens- und Einkommenssituation der Eltern ab. Manche Erwachsene umgeben sich selbst gerne mit Statussymbolen und sind damit natürlich Vorbild für ihre Kinder. Entscheidend ist, sich intensiv mit den Kindern über deren Wünsche und Motive auszutauschen und ihnen einen verantwortungsbewussten Umgang mit modernen Kommunikationstechniken beizubringen.
Was halten sie von anderen elektronischen Medien wie PC's, Computerspielen oder I-Pods als Weihnachtsgeschenke?
Ein Patentrezept gibt es nicht. Auch hier gilt die Regel, sich aktiv mit den Kindern und Jugendlichen auseinander zu setzen, warum gerade dieses oder jenes angesagt ist. Über PC's findet heute viel Kommunikation zwischen den Kindern und Jugendlichen statt und man ist schnell Außenseiter, wenn man nicht mithalten kann. Gerade bei Computerspielen ist sehr entscheidend, eine gute Auswahl zu treffen - am besten gemeinsam mit den Kindern, und es sollte unbedingt klare Regeln geben, wie lange das Kind damit spielen darf. Bei Gewaltspielen sollten Eltern nicht nachgeben und deutlich "Nein" sagen.
Dem Wunschzettel ihrer Sprösslinge sollten Eltern also nicht unbedingt folgen?
Zunächst einmal ist es wichtig zuzulassen, dass alle Wünsche ohne Wertung geäußert werden dürfen und man sich erst danach darüber austauscht: Warum zum Beispiel hat der beste Freund etwas, was das eigene Kind nicht haben soll? Eltern sollten offen bleiben für neue Entwicklungen und Wünsche, klare Orientierungshilfen geben und Verbote begründen.
Der Wunschzettel ist kein Bestellzettel und Eltern sollten immer im Kopf haben, dass viele Wünsche nicht mit dem Verstand gefällt werden, sondern durch den Freundeskreis, die Werbung und dem Wunsch nach Anerkennung entstehen. Es gibt echte Wünsche, die schon länger geäußert wurden und vehement von den Kindern vertreten werden, und dann gibt es noch die "unechten" Wünsche, die nicht lange Bestand haben. Echte Wünsche sind wichtiger zu erfüllen, da können Eltern durchaus auch mal über ihren Schatten springen, wenn die Sachen pädagogisch nicht so wertvoll sind.
Was ist bei der Auswahl von Weihnachtsgeschenken für Kinder und Jugendliche zu beachten? Was macht gutes Spielzeug aus?
Grundsätzlich wichtig ist, dass man sich beim Kauf von Weihnachtsgeschenken am Alter der Kinder und Jugendlichen orientiert. Geschenke sind untrennbar von den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder und Jugendlichen abhängig. Dann sollten Geschenke selbstverständlich Spaß machen, anspornen und die Entwicklung fördern. Spielzeug sollte die Sicherheitsstandards erfüllen, darf weder überfordern noch unterfordern und sollte die Fantasie anregen.
Elektronische Medien wie Fernsehen und Computerspiele nehmen zuviel Zeit im Leben von Kindern und Jugendlichen in Anspruch. Deshalb sollte auch bei den Geschenken darauf geachtet werden, dass je nach Alter der Kinder auch Spiele dabei sind, die sie in "Bewegung bringen": beispielsweise ein Hüpfball, ein Trampolin oder eine Hängeleiter für's Kinderzimmer oder für draußen Rollschuhe, Roller, ein Fahrrad oder etwas für auf den Spielplatz. Bei größeren Kindern kann ein Gutschein für eine gemeinsame Fahrradtour oder ein Schwimmbadbesuch zu einem schönen gemeinsam erlebten Tag führen. Durch Gesellschaftsspiele lernen Kinder und Jugendliche kooperativ zu handeln und kreative Ideen zu entwickeln - und man kann beim Familien-Spiele-Abend Spaß haben. Es sind nicht immer die teuersten Geschenke, die Kinder und Jugendlichen brauchen.
Für Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel gibt es zu Weihnachten nichts Schöneres als leuchtende Kinderaugen. Das Ergebnis ist oft ein Berg an Geschenken?
Nicht die Quantität der Geschenke ist wichtig, sondern die Qualität. Auch hier sollte man die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen im Blick haben und die eigene Lebenssituation. Viele Kinder und Jugendliche sind heute schon völlig überfordert mit ihren voll gestopften Kinderzimmern: Wie soll man sich auf ein Spiel konzentrieren, wenn man gleichzeitig fünf noch interessantere Spiele daneben liegen hat? Und der Wert der Sachen nimmt ab, je mehr im Überfluss vorhanden ist. Eltern sollten sich genau anschauen, wie zurzeit das Kinderzimmer aussieht und dann genau überlegen, welche Geschenke sinnvoll sind - oder ob weniger nicht mehr sein kann?